Psychotherapie für Bipolare
Erkrankungen
Die folgenden
Psychotherapieformen wurden speziell für Bipolare Erkrankungen entwickelt, bzw.
deren Wirksamkeit bei diesen Erkrankungen überprüft.
Sie sollten daher, wenn immer möglich, bevorzugt angewendet werden. Allerdings
gibt es in Österreich noch ein sehr geringes Angebot dieser speziellen
Therapieformen.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT
oder „cognitive behavioral therapy, CBT“)
Kognitiv behaviorale Therapie hilft dem
Patienten angelernte, der Erkrankung zugrundeliegende oder sie
aufrechterhaltende dysfunktionale Kognitionen und Verhalten zu ändern. Es
werden Techniken der Selbstwahrnehmung und zur Modifikation von Denk- und
Verhaltensweisen erlernt. Bei Bipolarer Erkrankung unterscheidet sich die
Therapie von der traditionellen Vorgehensweise durch mehrere Faktoren. Der
Beginn wird eher nicht in der akuten Erkrankungsphase; sondern während einer
stabilen, euthymen Phase gesetzt. Meist wird primär eher die Verhaltensebene
als die kognitive Ebene thematisiert. Die Befähigungen werden dem Patienten in
einer in einer mehr didaktischen Art mit einer reduzierten Anzahl an
Verhaltenstechniken vermittelt. Der Fokus liegt neben Psychoedukation in dem
Erkennen von Frühwarnzeichen, Erlernen von Anti-Rezidivtechniken, Umgang mit
Symptomen, Vulnerabilität und Problemen als Folge der Erkrankung.
Familientherapeutische Ansätze (Family
Focused Treatment, FFT)
Konflikte innerhalb einer Partnerschaft
und Familie können den Verlauf bipolarer Erkrankungen negativ beeinflussen.
Ähnlich wie auch bei Schizophrenie scheint vor allem ausgeprägt kritisches,
feindseliges oder aber emotional überengagiertes Verhalten („high expressed
emotions, EE“) des sozialen Umfelds ein negativer Einflussfaktor zu sein, der
mit mehr Rückfällen assoziiert ist.Schon
in den ersten, psychoedukativen Teil werden daher Angehörige des Patienten
einbezogen. Danach wird ein umfassendes Kommunikationstraining mit Elementen
wie Rollenspielen, aktivem Zuhören und Einüben von positivem und negativen
Feed-Back durchgeführt. In einem dritten Modul können dann
Problemlösungsstrategien, ausgehend von aktuellen Problemen des Patienten (zum
Beispiel Arbeitsplatzwechsel), erarbeitet werden.
Für alle beschriebenen Methoden (Psychoedukation,
IPSRT, CBT, FFT) konnte eine positive Wirkung auf den Erkrankungsverlauf belegt
werden. Insgesamt
tragen sie auch bei, die Gesamtkosten für das Gesundheitssystem zu senken. Der
stärkste Therapieeffekt ist eine Verlängerung der Zeit bis zur nächsten Phase,
wobei oft manische Rückfälle besser verhindert werden als depressive Rezidive.
Diese „Wirkungslücke“ im depressiven Bereich ist als besonders signifikant und
folgenreich zu sehen, da sowohl subjektiv, als auch objektiv die Last durch
depressive Episoden im Vergleich zu manischen Phasen bei bipolaren Erkrankungen
überwiegt und ein wesentlicher Faktor für Non-Compliance ist.. Allerdings
scheinen CBT, IPRST und FFT neue depressive Phasen tendenziell besser zu
verhindern als reine Psychoedukation.
Der beste Zeitpunkt für den Beginn einer CBT ist während einer stabilen,
euthymen Phase, für die anderen Methoden die Erholungsphase nach einer akuten
Episode. Eine offene Frage ist die Dauer der Wirksamkeit von
psychotherapeutischen Interventionen. Die bisherigen Erkenntnisse deuten eher
an, dass der Effekt nach Monaten oder Jahren abnimmt. In diesem Zusammenhang
könnten „Auffrischungstherapien“ („Booster“) Abhilfe schaffen, deren Einsatz und
Effizienz jedoch noch nicht systematisch untersucht wurden.
Für psychonalytische bzw.
tiefenpsychologische Ansätze existieren keine kontrollierten Daten.