Suizidalitität
Affektive Erkrankungen haben innerhalb
der verschiedenen psychiatrischen Diagnosegruppen die höchste Suizidrate. Die
meisten Untersuchungen zeigen ein etwas höheres Risiko für unipolare als für
bipolare Erkrankungen, jedoch eine besondere Gefährdung solcher Patienten, die
initial „falsch“ als unipolar diagnostiziert wurden und erst später durch das
Auftreten einer manischen oder hypomanischen Episode als „bipolar“
reklassifiziert wurden. Das Lebenszeitrisiko für Suizid bei bipolaren
Erkrankungen liegt bei bis zu 15% und ist damit im Vergleich zur
Gesamtbevölkerung 15-30fach erhöht. Untersuchungen zeigen, daß viele Patienten
in der Zeit vor einem Suizid noch ärztlichen Kontakt haben, jedoch nicht immer
von ihren Suizidgedanken berichten oder diese sogar ausdrücklich verneinen.
Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen bipolarer Patienten . Eine adäquate
Identifikation und Behandlung von Risikofaktoren für Suizidalitität gehört
daher zu den wichtigsten Aufgaben einer umfassenden Therapie.
Spezielle Risikofaktoren
Bipolare Erkrankungen mit komorbiden
Angst- und Suchterkrankungen , Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen und
psychotischen Symptomen scheinen mit einem erhöhten Suizidrisiko behaftet zu
sein (Neves , 2009). Tendenziell zeigen sich bei Bipolar Typ II-Verläufen noch
häufiger Suizidversuche als bei „klassischen“ Typ I –Verläufen.
Interessanterweise bestehen in den gemäßigten Breiten auch jahreszeitliche
Schwankungen, mit einem Gipfel im Frühling und Frühsommer, und einem zweiten,
kleineren Gipfel im Herbst. Das Risiko ist höher in den ersten Jahren nach
Erkrankungsbeginn und während depressiver und gemischter Phasen. Als besonders
kritische Zeitstrecke wird auch die Periode zwischen der ersten, partiellen
Remission depressiver Symptome und der vollen Genesung nach einer depressiven
Phase gewertet.
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Lebenszeitrisiko |
Bis zu 15% |
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Klinische Symptome |
Insomnie |
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Komorbiditäten |
Angsterkrankungen |
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Zeitpunkt |
Saisonalität: Gipfel in
Frühling/Frühsommer und Herbst |
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Anamnese |
Positive Familienanamnese |
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Medikation |
(Abruptes) Absetzen von Lithium |
Risikofaktoren für Suizidalität bei
bipolaren Erkrankungen. Nach Goodwin&Jamison (2007).
Suizidprävention – spezielle Faktoren
für bipolare Patienten
Anamnese
In einem ersten Schritt sollten für
jeden bipolaren Patienten die bisherige Suizidalität und eventuelle
Risikofaktoren evaluiert werden. Bei positiver Anamnese empfiehlt es sich, zu
fragen, unter welchen Umständen die Suizidversuche aufgetreten sind. Die
Information über den genauen Zeitpunkt und die Umstände (Beginn oder Ende einer
depressiven Phase, beim Übergang von der Manie zur Depression, während einer
spezifischen Jahreszeit oder zu einem besonderen Datum etc.) hilft, in Zukunft
ähnliche Risikosituationen früh erkennen zu können.
Medikamentöse Therapie
Im Akutfall empfiehlt es sich,
ausreichend Tranquilizer zu verabreichen. Auch alle medikamentös behandelbaren
Risikofaktoren wie Insomnie, Angst oder psychotische Symptome sollten gezielt
therapiert werden. Es ist jedoch darauf zu achten, dass den Patienten keine
gefährlich großen Mengen potentiell toxischer Substanzen auf einmal zur
Verfügung gestellt werden. Hier bewähren sich engmaschige Kontakte und die
Verschreibung geringerer Stückzahlen. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass
eine Therapie mit Lithium das Suizidrisiko insgesamt senken kann. Die
Voraussetzung dafür ist jedoch eine regelmäßige längerfristige Einnahme,
ansonsten kann bei Absetzen der Medikation das Suizidrisiko für einige Monate
sogar stark ansteigen. Nur Patienten, die Lithium gut vertragen und
gleichzeitig eine sehr hohe und dauerhafte Therapieadhärenz haben, profitieren
daher wirklich von seinen suizidprophylaktischen Qualitäten. Wird Lithium
abgesetzt, steigt die Suizidrate für ein Jahr auf das 20-fache des
ursprünglichen Wertes an, um sich erst danach wieder zu normalisieren
Notfallplan
Zur gemeinsamen Erstellung eines
Notfallplans sollten wo immer möglich die Angehörigen des Patienten
miteinbezogen werden. Es ist wichtig, mündlich und schriftlich festzuhalten, an
welche Kontaktpersonen oder Einrichtungen sich der Patient bei Verschlechterung
des Zustands und stärkerwerdenden Suizidgedanken im Notfall wenden kann. Eine
stabile und vertrauensvolle therapeutische Beziehung ist die entscheidende
Grundlage der Suizidprävention.
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Anamnese |
Familienanamnese |
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Medikamente |
Im Akutfall: ausreichend
Tranquilizer
Antidepressiva:
empfohlen, jedoch Vorsicht vor allem in Initialphase |
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Notfallplan erstellen! |
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Vorgehen und Überlegungen im Zusammenhang mit Suizidalitität bei bipolaren Patienten