Mirtazapin
Handelsname: Mirtabene, Mirtaron, in
Deutschland auch: Remergil
früher in Österreich: Remeron
Sogenanntes neues, duales
Antidepressivum
"Dual" bedeutet hier, daß das Mittel nicht nur auf das Serotonin- System
wirkt (wie die SSRI ),
sondern auch auf Noradrenalin, einen weiteren wichtigen Botenstoff,
der in der Depression eine Rolle spielt.
Durch diese zweifache Wirkung erhofft man sich eine zum Teil stärkere Wirkung in
der Behandlung
der Depression.
Außer auf diese zwei Botenstoffe hat Mirtazapin
aber auch noch eine Wirkung als Antihistamin
(Histaminblocker). Diese ist unter anderem für manche Nebenwirkungen
verantwortlich, vor allem für
die sedierende (müde machende) Wirkung und, bei manchen Patienten, für die
Appetit-Zunahme, die
sich in Heißhungerattacken und Gewichtszunahme äußern kann.
Mirtazapin wird sehr gerne und häufig, gerade bei
bipolaren Patienten, verwendet, da es
- eine gute antidepressive Wirkung hat und
- das Schlafen erleichtern kann.
1. Anwendung
in der akuten depressiven Phase bei bipolarer Störung.
In der Regel nicht als Dauermedikation (wie alle
Antidepressiva; wegen einer
eventuellen Switch-Gefahr), außer eventuell bei Bipolar II -
Erkrankungen,
wo die depressiven Phasen im Vordergrund stehen.
2. Wirkweise
Mirtazapin bewirkt über eine Blockade sogenanntern
"Alpha-Rezeptoren" eine verstärkte
Wirkung der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin.
2. Dosierung
Meist wird mit einer halben Tablette am abend begonnen
(15mg).
Die Dosis kann dann gesteigert werden bis 45mg , eine
antidepressive Wirkung ist
aber einer Tagesdosis von 30mg zu erwarten.
Achtung: eine halbe Tablette wirkt schon stark
antihistaminerg und macht
damit ziemlich müde. Eine ganze Tablette (30mg) wirkt
dann aber erst auch
richtig auf das Serotonin und Noradrenalin und damit eher
anregend,
deswegen macht paradoxerweise eine ganze Tablette
weniger müde als die halbe.
Wenn morgens eine
Blutabnahme zur Spiegelbestimmung geplant ist, nehmen sie das Medikament erst
nach der Blutabnahme ein, da
sonst der bestimmte Wert falsch sein kann.
3. Nebenwirkungen
Mirtazapin wird meist sehr gut vertragen.
Häufigere Nebenwirkungen
- Müdigkeit
deswegen meist vor dem Schlafengehen zu
nehmen.
Die Müdigkeit ist am Anfang stärker
ausgeprägt als im Laufe der
Therapie, meist verschwindet sie nach
Wochen ganz.
Halbe Tablette macht mehr müde als ganze (s.o.)
- Heißhunger und Gewichtszunahme
kann auftreten, muß aber nicht. Die Gewichtszunahme ist
idR nicht
so stark wie bei verschiedenen
Antipsychotika
- Schwindel, Kopfweh niedriger Blutdruck.
- bei manchen Patienten können (selten) Ödeme (Wassereinlagerungen)
entstehen,
nicht nur an den Füßen, sondern zB auch im Gesicht
(Lider, etc). Sollte es zu
fraglichen Ödemen kommen, bitte immer den Arzt
kontaktieren!
- Switchgefahr: es gibt wenige gute Daten aus klinischen Studien
hierzu.
Aus der klinischen Erfahrung läßt sich eine
Switchgefahr ähnlich wie bei SSRi sehen,
aus pharamakologischer Sicht wäre es wahrscheinlich,
daß sie etwas höher ist.
(wegen der dualen Wirkung). Insgesamt sind Switches
unter AD nicht so häufig, wie man
früher dachte, sie scheinen vor allem bei einer
Untergruppe von BP-Patienten
aufzutreten, die empfindlich auf AD reagieren.