Benzodiazepine

 

(Einzelsubstanzen siehe ganz unten!)

I

Benzodiazepine sind eine Gruppe von Medikamenten, die eine

-beruhigende
-angstlösende
-schlaffördernde
-muskelentspannende

Wirkung haben.

Daher finden sie einen recht breiten Einsatz bei Angsterkankungen,
Schlafstörungen, Depressionen und Erregungszuständen.

Bei bipolarer Erkrankung werden sie manchmal vorübergehend
eingesetzt, insbesondere

- bei Manie: zur Beruhigung, als Schlafhilfe
- bei Depression: zur Beruhigung , gegen Ängste, gegen Unruhe, bei Suizidgefahr, als Schlafhilfe.

Eine heilende Wirkung gegen die Erkrankung an sich haben sie nicht, trotzdem können sie
im Akutfall die Behandlung stark verbessern und sind oft ein unverzichtbarer Teil der medikamentösen
Therapie in der akuten Phase.
Sie sollten jedoch nach Möglichkeit nicht lange über die akute Phase hinaus genommen werden.
Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:

1. Sucht und Abhängigkeit
    Bei allen Benzodiazepinen können sich Sucht und Abhängigkeit entwickeln.
    Die Zeit bis zur Entstehung einer Sucht hängt dabei von mehreren Faktoren ab,
    wobei die wichtigste eine individuelle Neigung zur Entwicklung von Abhängigkeit
    sein dürfte, die zum Teil genetisch bedingt ist (also vererbt wird) und zum Teil
    durch die Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen beeinflußt wird.
    Manche Patienten nehmen Benzodiazepine über Monate, ohne daß sich eine Abhängigkeit
    entwickelt. Das ist aber eher eine Ausnahme.
    Im Durchschnitt entsteht eine Abhängigkeit meist im Rahmen von einigen Wochen.
    Früher kann sie entstehen, wenn bereits früher einmal eine Sucht vorhanden war,
    auch wenn dies eine andere Sucht (Alkohol, Drogen) war. In diesen Fällen kann unter
    Umständen, ähnlich wie bei Alkohol, schon der "einmalige Rückfall" ausreichen.
   
    Wenn  sich Abhängigkeit einmal entwickelt hat, läßt die ursprüngliche Wirkung oft nach,
    und das Weglassen der Medikamente führt zu einer Rückkehr der alten Symtpome in
    noch stärkerem Ausmaß.

2. Nebenwirkungen bei dauerndem Gebrauch
    sind häufig. Insbesondere läßt sich eine Veränderung der Persönlichkeit oft beobachten,
    mit Abbau der geistigen Fähigkeiten, Konzentrationsstörungen, verminderter Leistungsfähigkeit.


    Wie kommt man wieder "runter"?
    Abhängig von der vorgehenden Dauer der Einnahme, sollte ein Entzug sehr langsam durchgeführt werden.
    Wenn Bezodiazepine über viele Monate oder gar Jahre hinweg genommen wurden, ist es oft sinnvoll,
    sich sehr viel Zeit zu nehmen und die Dosis sehr sehr langsam und vorsichtig über Wochen und Monate
    in ganz kleinen Schritten zu reduzieren. Natürlich sollte in dieser Zeit auch  eine begleitende
    psychotherapeutische Hilfe bestehen.
    Bei schnellerem Entzug kann es zu sehr starken körperlichen Reaktionen mit Schweißausbrüchen,
    Zittern, Herzklopfen kommen, darüber hinaus Angstzustände und Verwirrung.
    Im Extremfall kann, bei starker Abhängigkeit, ein Delir entstehen (ein Verwirrungszustand mit unter Umständen
    bedrohlichen körperlichen Komplikationen und Krampfanfällen.
    Jeder Entzug sollte nur unter ärztlicher Aufsicht gemacht werden.

Welche anderen Nebenwirkungen sind zu beachten?

"Hang over" -                       Müdigkeit am nächsten Tag bei abendlicher Einnahme. Vorsicht: Unfälle! - daher KfZ -Verbot!

"paradoxe Reaktion" -         manche Menschen reagieren genau "andersrum" auf Benzodiazepine, nämlich mit Erregung
                                            und Angst. Insgesamt selten, aber wenn, dann sehr unangenehm; In solchen Fällen ist es
                                            sinnvoll, sich zu merken, daß man einmal paradox reagiert hat und alle Ärzte später
                                            darauf hinzuweisen, damit man keine Benzos mehr verschrieben bekommt.
Stillen, Schwangerschaft   Benzos gehen in die Muttermilch über und beeinträchtigen auch das ungeborene.
                                            Sie sollten daher hier nicht verwendet werden.
Autofahren etc.                  Die Reaktionsfähigkeit kann beeinträchtigt sein. Daher:NEIN.
                                            (Im Zweifelsfall zahlt uch die Versicherung eventuell nicht!)


Welche verschiedenen Benzos gibt es?

Insgesamt sind sich alle sehr ähnlich.
Manche wirken mehr gegen Angst, manche mehr schlaffördernd, manche mehr muskelentspannend.
Eine wichtige Unterscheidung ist aber die Halbwertszeit bzw. Wirkdauer.
Die kurzwirksamen machen weniger "hang over" am nächsten Tag, fluten nicht so sehr im Körper an.
Sie können daher auch besser in kleinen Schritten reduziert werden - und sind damit oft in der Entzugstherapie
im Einsatz (typisch: Praxiten).

Einzelne Substanzen:

Typische Schlafmedikation:

    Halcion
    Lendorm
    Somnubene (Rohypnol)

Eher beruhigend, angstlösend

    Temesta (Tavor)
    Lexotanil
    Xanor
    Praxiten (Anxiolit)  - kurze Halbwertszeit
    Gewacalm (Psychopax, Valium) - lange Halbwertszeit

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