Neues aus der Forschung

Die bipolare Erkrankung wird weltweit intensiv erforscht, und es gibt ständig  neue Erkenntnisse
über die Ursachen, Behandlung und neue Aspekte der Erkrankung.

Sowohl für die selbst Betroffenen, als auch für Angehörige und Freunde ist es wichtig, sich über die Neuigkeiten
am laufenden zu halten.

Wir versuchen hier, regelmäßig in verständlicher Form eine Auswahl der  letzten wichtigsten Erkenntnisse zu präsentieren
und aus unserer Sicht zu kommentieren.



2008

Bipolar Typ 6: Beziehung zwischen Bipolar und Demenz?
Einige Updates zu Quetiapin (Seroquel)

Defekte Genregulation bei Gemütserkrankungen:
Auswirkung auf körpereigenes Kortisol?




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2007

2006

2005


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Daß Lithium bei bipolaren Erkrankungen stimmungsstabilisierende Wirkung haben kann,

ist schon längere Zeit bekannt. Die Wirkmechanismen sind aber immer noch nicht

vollständig verstanden. Ein Teil scheint durch Beeinflussung der Signaltransduktion

(Informationsweitergabe innerhalb einer Nervenzelle) vermittelt zu sein. Jetzt wurde

auch ein Einfluß auf die Mitochondrien gezeigt. In diesen wird die für die Funktion der

Zelle notwendige Energie erzeugt („oxidative Phosphorilierung“ oder „Atmungskette“,

http://de.wikipedia.org/wiki/Oxidative_Phosphorylierung). Es gibt schon lange Hinweise

darauf, dass bei bipolaren Erkrankungen die Energiegewinnung in Mitochondrien gestört

ist. Bei bipolaren Patientenkonnte jedoch jetzt gezeigt werden, dass genau dieser

Prozess durch Lithium gefördert zu werden scheint und somit möglicherweise ein

wichtiger Teil der Wirkung ist.

Quelle: Lithium-induced enhancement of mitochondrial oxidative phosphorylation in

human brain tissue . Bipolar Disorders 2009: 11: 515–522

Kann man bipolare Erkrankungen und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-

Hyperaktivitätssyndrom) im Kindesalter unterschieden?

In Europa ist es – im Gegensatz zu den USA – eher unüblich, bipolare Erkrankungen

schon in der Kindheit oder frühen Jugend zu diagnostizieren. Es scheint eine sehr große

Überlappung der Symptome mit dem sogenannten Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-

Syndrom (http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizit-

/Hyperaktivit%C3%A4tsst%C3%B6rung#Psychoanalytische_Theorien) zu geben.

Eine Untersuchung zeichnete nun systematisch die Symptome von Kindern mit bipolarer

Erkrankung und solchen mit ADHs während 10 Jahren auf und vergich diese

untereinander. Beide Gruppen zeigten Impulsitivtät und Hyperaktivtät; zeitweise

gehobene Stimmung und verminderter Schlaf waren jedoch typischer für die bipolaren.

Diese beiden Merkmale könnten ein diagnostisch wichtiger Hinweis sein, wenn Zweifel

über die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen sein.

Quelle: Bipolar Disorders 2009: 11: 441–451. Earliest symptoms discriminating

juvenile-onset bipolar illness from ADHD

Faserbahnen im Gehirn zeigen bei schizophrenen und bipolaren Patienten

ähnliche Veränderungen

Mit Hilfe einer bildgebenden Technik namens DTI (Diffusion Tensor Imaging,

http://de.wikipedia.org/wiki/Diffusions-Tensor-Bildgebung) können Faserbahnen, also

Vernetzungen verschiedener Hirnregionen miteinander, dargestellt und auf

Veränderungen untersucht werden. Es zeigte sich, dass sowohl bei schizophrenen als

auch bei bipolaren Patienten Bereiche der Capsula interna

(http://de.wikipedia.org/wiki/Capsula_interna) , einer Verbindung von Großhirnrinde mit

anderen Hirnregionen, des vorderen Thalamus (http://de.wikipedia.org/wiki/Thalamus),

ebenso einer wichtigen Schnittstelle, und des „Fasciculus uncinatus“

(http://de.wikipedia.org/wiki/Fasciculus_uncinatus), der für Sprachverarbeitung und

Langzeitgedächtnis eine Rolle spielt, verändert waren.

Bemerkung: Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass es gemeinsame

Grundalagen für beide Erkrankungen gibt, die sich auch in sehr diskreten

Hirnveränderungen zeigen können.

Quelle: White matter abnormalities in bipolar disorder and schizophrenia detected using diffusion tensor magnetic

resonance imaging, Bipolar Disorders 2009: 11: 11–18


 

Eine spezielle Hirnregion führt bei bipolaren Patienten zu höherer Impulsivität

Impulsivität gehört zu den normalen Verhaltensweisen, kann aber in ihrem Ausmaß

zwischen einzelnen Individuen stark variieren. Bei bipolaren Patienten fanden viele

Untersuchungen eine vergleichsweise hohe Impulsivität, die auch mit einem

komplizierteren Verlauf der Erkrankung einhergeht. In einer MRT-Untersuchung ergaben

sich nun Hinweise auf eine Veränderung des sogenannten „anterioren cingulären

Kortex“ (siehe: http://www.fmri-easy.de/limb_ana.htm), die mit erhöhter Impulsivität

einhergeht. Bei Probanden ohne bipolare Erkrankung oder andere psychische

Erkrankung scheinen im Gegensatz dazu andere Teile des Gehirns für das Merkmal

„Impulsivität“ wichtiger.

Quelle: Anterior cingulate volumes associated with trait impulsivity in individuals with bipolar disorder. Bipolar Disorders

2009: 11: 628–636


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