Geschichte der Musiktherapie
(hier Folgen in Kürze noch Bilder aus unserer MT!)
Musiktherapie hat eine lange Geschichte, ihre Wurzeln liegen in
den Urzeiten der menschlichen Existenz.
Natur - wie auch Kulturvölker machten von der heilenden Wirkung der Musik
Gebrauch.
Es gibt keine menschliche Kultur ohne Musik, d.h. ihre Kultur ist offenbar nicht
lebensfähig ohne Musik.
Musiktherapie in ihrer frühesten Form finden wir
in Texten von Homer, aus dem Alten Testament,
von den Pythagoräern, Hippokrates, Platon, Aristoteles usw. Schon damals wurde
der Musik eine
psychohygienische und psychotherapeutische Kraft zugeschrieben,
sie sei das "geeignete Mittel zur Erziehung der Seele, zur geistvollen Muße
und Katharsis und zur Abreaktion belastender Affektstauungen".
Ende des 19. Jahrhunderts wurden physiologische
Untersuchungen über Musikwirkung gemacht,
man entdeckte die Veränderungen von Pulsfrequenz, Blutdruck, Durchblutung,
Sauerstoffverbrauch,
Schweißsekretion, Muskelspannung usw. durch Musikhören.
Für die Musiktherapie der Gegenwart sind die
supportiven, rekonstruktiven und palliativen
Bemühungen charakteristisch.
Heute liegen die Anwendungsbereiche in der
-
Psychiatrie und Psychosomatik
- Psychotherapie
- Arbeit mit geistig und körperlich behinderten Kindern und Erwachsenen
- Arbeit mit Autisten
- Sonder- und Heilpädagogik
- Geriatrie
- Neurologie (Wachkomapatienten)
- Analgesie
Die einfachste Unterteilung ist die in die "Rezeptive und
Aktive Musiktherapie", je nachdem, ob der Patient selbst Musik ausübt
oder die ihm dargebotene Musik anhört.
Rezeptive MT
(= Musikhören) bewirkt Entfaltung von Emotionen und bietet eine Chance,
Konflikte und Probleme anzusprechen.
Das Zulassen von Empfindungen führt dann meist zu einer Verminderung der Angst
und Lösung von Spannungen.
In der Aktiven MT soll das Musizieren zur freien,
ganz elementaren Lebensäußerung werden, ohne jegliche künstlerische Absicht
und ohne Voraussetzung für die Beherrschung eines Instruments.
In der freien Improvisation hat der Patient die Möglichkeit
Emotionen und Stimmungen mit musikalischen Mitteln auszudrücken
und sich dabei selbst wahrzunehmen. Dazu werden vorzugsweise Instrumente
verwendet die keine Vorkenntnisse verlangen:
Trommeln, Bongos, Congas, Djemben, Tamburins,
Schellenringe, Triangeln, Xylophone, chinesische Gongs,
Tempelblocks, Marancas, Glockenspiele usw.
Musik kann mit verschiedenen anderen Therapieverfahren kombiniert werden, z.B.
- mit Entspannungstraining
- katathymen Bilderleben (Leuner)
- autosuggestiven Sinnsprüchen (nach C. Bresgen)
- Bewegung (tänzerische Bewegungsimprovisation, psychomotorische Bewegungstherapie)
- Bildnerischem Gestalten
- Fantasiereisen
Musiktherapie
wird als Einzel- und Gruppentherapie angeboten. Welches Verfahren angewandt wird
hängt ausschließlich von der Art
und Schwere der psychischen Beeinträchtigung bzw. der Erkrankung ab.
Im psychiatrischen Bereich wird Musiktherapie eingesetzt bei
- Psychosen
- Neurosen
- Schizophrenien
- Bipolaren Störungen
- Depressionen
- Zwangsstörungen
- Angst- und Panikstörungen
- Phobien
- Wahnhaften Störungen
- Autismus
- Essstörungen
- Missbrauch
- Funktionellen Organstörungen
Musiktherapie sucht nach Ressourcen, nicht nach Defiziten! Was soll erreicht werden - Aktivierung oder Entspannung?
Grundsätzlich sollen durch Musiktherapie positive Verhaltensweisen gefördert und
unerwünschte Verhaltensweisen verändert
sowie Aktivitäten sinnvoll in eine Bahn gelenkt werden.
Im stationären Rahmen soll Musiktherapie das Leben in der
Klinik lebendiger und freundlicher machen und speziell bei
Langzeitpatienten einer Hospitalisierung entgegenwirken, Deprivation und
Persönlichkeitsverlust verhindern
und die Erlebnisfähigkeit wieder stärken.
Angestrebte Ziele sind:
- Ich-Stärkung
- Stärkung des Selbstwertgefühls
- Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Zulassen und Ausdruck von Emotionen
- Realitätsbezug
- Affektabfuhr
- Orientierung
- Aktivierung
- Strukturierung
- Konzentration und Ausdauer
- Kreativität und Fantasie
- Kontaktherstellung und Beziehungsaufnahme
Autorin:
Mag. Inge Steinschaden
Musiktherapeutin