Lichttherapie

Lichttherapie gilt heute als Mittel der Wahl vor allem bei saisonaler Depression. Bei bipolar- depressiven Patienten wurde Lichttherapie zum Teil erfolgreich eingesetzt, jedoch ist auf ein potentielles Risiko zur Auslösung hypomanischer oder manischer Episoden zu achten. Die Lichttherapie zeigte sich in kontrollierten Studien bei saisonaler Depression als wirksam und sicher, der antidepressive Effekt ist zumindest ebenbürtig mit dem von Antidepressiva und setzt im Vergleich etwas frühzeitiger ein. Wie stark der antidepressive Effekt jedoch bei bipolar-depressiven Patienten ist, wurde insgesamt noch nicht ausreichend systematisch erforscht. Vermutlich sprechen jene Verlaufstypen, bei denen depressive Phasen eher in den Wintermonaten, manische Phasen eher in den Sommermonaten auftreten, besser an.

Als Lichtquelle dient eine Lampe, die das volle sichtbare Tageslichtspektrum in einer Intensität von 10.000 Lux ohne Ultraviolett- und Infrarotbereich abstrahlt. Die Patienten werden vorzugsweise morgens für eine halbe Stunde dem Licht exponiert und dazu angeleitet, etwa einmal in der Minute kurz direkt in die Lichtquelle zu schauen. Die ersten stimmungsaufhellenden Effekte zeigen sich oft nach einer Wirklatenz von drei bis sieben Tagen. Als positive Prädiktoren für ein gutes Ansprechen auf Lichttherapie gelten Symptome einer atypischen Depression mit Hypersomnie und Appetitsteigerung, sowie psychische Angstsymptome. Im Gegensatz dazu scheinen Patienten mit vorwiegend körperlichen Angstsymptomen eher geringer von einer Lichttherapie zu profitieren. Wenn es zu einem Ansprechen auf Lichttherapie gekommen ist, sollte sie während der dunkleren Wintermonate weitergeführt werden, da es ansonsten häufig zu Rückfällen kommt. Alternativ oder zusätzlich kann auch eine medikamentöse antidepressive Therapie zur Erhaltung eingesetzt werden.

Insgesamt ist die Lichttherapie nebenwirkungsarm. Gelegentlich treten Augenbrennen und Kopfschmerzen auf, die in aller Regel mild und transient sind.

Einige Psychopharmaka, darunter Trizyklische AD aber auch Hypericum (Johanneskraut), können photosensibilisierende Effekte aufweisen und so bei Lichtexposition in seltenen Fällen zu Exanthemen führen. Unter gleichzeitiger Therapie mit Lithium oder Trizyklischen Antidepressiva werden für Lichttherapie-Patienten begleitende augenärztliche Kontrollen empfohlen. In den letzten Jahren gab es vermehrt Bemühungen, die Effekte der Lichttherapie durch Veränderung der Applikationszeit und –länge sowie durch Kombinationen mit anderen Therapieformen zu optimieren. Die morgendliche Applikation scheint zwar den schnellsten Wirkungseintritt zu erzielen, aber in der Effektgröße anderen Applikationszeiten vergleichbar zu sein. Eine Abwandlung der klassischen Lichttherapie ist die Dämmerungssimulation („dawn simulation“), bei der die Morgendämmerung mit langsam ansteigernder Lichtintensität durch Kunstlicht nachgeahmt wird. Sie zeigte in einigen Studien vergleichbare Effektstärken wie die klassische Lichttherapie. Für den therapeutischen Effekt scheinen vor allem kurze Wellenlängen (blau) verantwortlich zu sein, die auch mit neuartigen Lichttherapiegeräten mit Hilfe von Leuchtdioden appliziert werden können Die Kombination von Lichttherapie mit anderen chronobiologisch wirksamen Verfahren, insbesondere mit Schlafentzugstherapie zeigte zum Teil ermutigende Ergebnisse. Auch eine Kombination mit sportlicher Betätigung und Anreicherung der Raumluft mit negativ geladenen Ionen scheinen günstige Effekte zu haben.

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