Als ich noch jung war, kam ich mit Manien besser zurecht

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    • Als ich noch jung war, kam ich mit Manien besser zurecht

      Meine Manien äußern sich in einem Gefühl, als säße ich auf einem schwelenden Vulkan und hab ständig Feuer unterm Hintern. Es ist, als müsste alles unter Volldampf laufen. Ist eine Ampel zu lange rot oder geht eine Omma zu langsam über die Straße, fing ich an am Steuer zu zetern und zu schimpfen. Das tun allerdings auch Normalos. Nein, auch innerlich stand ich unter Vollgas. Alles lief mir zu langsam, alle schienen zu doof zu sein oder Schnecken. Und ich hatte Fantasien, wie ich ausflippe wenn mir einer schräg von der Seite kommt, und das tat ich dann auch wirklich. Aber vor 20 Jahren bin ich damit noch ganz anders klar gekommen. Ich bin nachts durch die Discos gezogen und habe mir später n paar Schlaftabletten reingedröhnt, und nur alle 3-4 Jahre half das nichts und ich wurde so psychotisch, das fiel zuerst den Kollegen auf und dann den Freunden, so kam ich dann in die Klapse und dank Antipsychotika und Zigaretten wurde die Psychose auch schnell kuriert.

      Vor ein paar Wochen hatte ich wegen Lithiumaspartat einen zu niedrigen Lithiumspiegel, weil ich nicht 3, sondern nur eine genommen hatte. Und das alte Naturell kam wieder durch. Ich fand das anstrengend und merkte natürlich, dass das nicht normal ist, sich immer gleich aufzuregen. Dadurch wurde mir wieder bewusst, welche Wesenszüge ich durch die Medikamente "gekillt" habe. Dieses unter Dauerstrom Stehen und die niedrige Aggressionsschwelle, das ich früher mal gewohnt war, empfand ich so als lästig und irgendwie auch als bedrohlich. Wie oft stand ich kurz davor, verbal auszurasten, dass ich wirklich Angst kriegte, irgendwann zu explodieren.

      Das war ja nicht alles, was mich nervte. Mich störte an den Depressionen, dass ich mir nichts zutraute, die Existenzangst, die Angst arbeitslos zu werden weil ich mich nicht konzentrieren konnte usw., dieses ständige Hinterfragen ob ich wirklich nen Platz in der Welt gefunden habe oder ob nicht auch alles ohne mich laufen könnte. Allerdings sind in letzter Zeit die Manien stärker als die Depressionen, auch häufiger.

      Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich mit den "Weichspülern" weiterhin pflegeleicht zu halten, auch damit ich selber besser mit mir klar komme. Als ich noch jung war, hatte ich kein Problem damit, ich hatte mich an alles gewöhnt und dachte, das sei normal. Es ist wohl auch eine individuelle Betrachtungsweise, denn: Wer bestimmt, was normal ist?
      Liebe Grüße
      Schlumpfmaus


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      Lieber mit Stella und Otto einen flotten Dreier, als mit den Dritten und Cellulite einen flotten Otto. :D