Mein Bild ist gestohlen worden

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    • Mein Bild ist gestohlen worden

      Ich bin sehr traurig und könnte explodieren.... war gerade bei meiner Psychiaterin, die mich mit der Nachricht empfing, dass ein Bild, das ich der Ordination geschenkt hatte, letzte Woche gestohlen wurde.
      Ich bin zutiefst betroffen und wünsche dem Dieb alles möglichst Schlechte.... HIer ein Foto vom Bild. Meine Ärztin meint, wir sollten sie in guter Erinnerung behalten und ich soll mich damit trösten, dass der Dieb das Bild gemocht hat.
      Aber ich finde es schon krass, sich wie in einem Selbstbedienungsladen zu bedienen...
      Eine 0,8-Lithium-Batterie explodiert in mir.
      Das Bild hieß "...und es ward Licht" und hätte die Funktion gehabt, den Patienten im Wartezimmer Hoffnung zu geben.
      Bilder
      • P1040117.JPG

        464,77 kB, 922×1.229, 204 mal angesehen
      "Perhaps this final act was meant, to clinch a lifetime's argument
      That nothing comes from violence and nothing ever could
      For all those born beneath an angry star
      Lest we forget how fragile we are..." (Sting)
    • Nun man kann eigentlich kaum ein größeres Kompliment bekommen als Künstler, alsdass jemand eine Straftat begeht, weil er ein Bild so sehr mag und es klaut, weil er es unbedingt in seiner Nähe zu Hause haben möchte, um sich ganz und jeden Tag an seiner besonderen Stimmung zu erfreuen.

      Ihm die Pest an den Hals wünschen, ist vielleicht auch nicht der richtige Weg. Es vergiftet deinen Geist mit Wut. Vielmehr ist es des Mitleids wert, weil er so verzweifelt oder psychisch krank ist, dass er riskiert erwischt zu werden (was auch gleichzeitig bedeuten würde, dass er dort nicht mehr behandelt wird), dass er sich an ein Bild klammert und glaubt es unbedingt beistzen zu müssen, damit es ihm besser geht. Außerdem wer weis in welchem Zustand er das geklaut hat. Vielleicht war im auch nicht so ganz klar, was er da macht. Es bietet auch die Chance ein neues zu malen und dort aufzuhängen. Sich an den Verlust zu klammern wird dir nur weh tun. Es ist ein Bild und daran hängt nicht die Glücksseligkeit, auch wenn es eines mit einer besonders positiven Stimmung ist. Dann wird es wohl deine Berufung sein ein wohl mindetens ganauso gutes als Ersatz zu malen. Oder wie las ich gestern Abend im Westbahnhof beim spät-Nacht-Shopping: Der liebe Gott hat uns auch Nüsse geschenkt, doch knacken musst du sie selbst.
      Insofern: Köpfchen hoch! Pinsel schwingen!
      Was tun nach dem Absturz?
      Aufstehen. Krönchen richten. Würdevollen Schrittes weitergehen.
    • Ja, so ein gaaaanz armer Mensch ist bei mir damals eingebrochen und hat mein Unglück verursacht. Zumindest sagte es damals eine Mutter aus der Klasse meines SOhnes, ich musste sie anschreien, dass sie dann die ganz armen Menschen bei ihr in die Wohnung reinlassen sollte. DAs ist etwas, was ich JETZT nicht hören will. Keine psychische Erkrankung, keine Armut berechtigt jemanden dazu, etwas zu stehlen.
      Ich wünsche ihm jedenfalls eine schöne Depression.
      Weißt du, was ich mittlerweile denke? DAs war vielleicht ein Junkie, der etwas Kleingeld für das Ding erhoffte, für das er ein paar Gramm Stoff kaufen konnte... das Bild ist gar nciht mehr bei ihm, er hat es auf dem Flohmarkt verscherbelt... Also soooo wahnsinnig stolz bin ich nicht drauf...
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    • Es ist nicht gut, wenn du dir solche Konstellationen ausmalst!! Aber das ist typisch für uns und der Grund, warum wir immer wieder Depressionen bekommen. Ein gesunder Mensch ärgert sich kurz, aber versucht damit dann Frieden zu schließen und möglichst nicht die negativste Erklärungsmöglichkeit in Erwägung zu zihen, um sich selbst zu schützen. Ich fürchte dieser Schutzmechanismus springt sogar automatisch an.
      Ich merk schon, es ärgert dich, dass wir versuchen, uns auch in den anderen zu versetzen, aber nur so, kann man die Perspektive wechseln und sich von diesem Negativen distanzieren. Aber letztlich wird es dir nichts bringen, wenn du dich darüber fertig machst, außer, dass es dich in dieser Zeit der Medikamentenumstellung destabilsiert. Das kannst du etzt am allerwenigsten gebrauchen, gansuo wenhig, wie ich mitten in der PRüfungsvorbereitungzeit den Anruf wegen dem Adenom-Verdacht gebraucht habe und ich ärgere mich im Nachinein ganz ganz schlimm, dass ich zugelassen habe, dass es mich eine Nachicht, die nicht bestsätigt ist, solche Macht über mein Leben ausüben konnte.
      Du gibst diesem Menschen mit dieser Wut und Verachtung nicht nur das Bild, sondern du lässt zu, dass seine negative Art sogar über das Bild hinaus Macht über dich ausübt! Das finge ich ganz schön krass und nachenkenswert und ich hoffe, dass du die Kraft findest dich von deiner Wut zu distanzieren und nicht zulässt, dass er das mit dir macht. Verwende lieber deine Wut dazu zu beweisen, dass dich das nicht unterkriegen kann. Du wirst die Wahrheit vielleicht niemals erfahren. Es ist verschwendete kostbare Lebenszeit endlos darüber zu spekulieren.
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    • Sowas ist sooo ärgerlich.... hast du in Zeichnen maturiert? Ich habe immer Unglück mit dem Malen... die Aufnahmsprüfung an der Angewandten trieb mich in die Manie... ich habe keinen Platz zum Malen... kann nie ausstellen, weil ich zu blöd bin... habe noch nie ein Bild verkauft, dafür wurde eines meiner Lieblinge gestohlen..

      Heute war ich beim Gerstaecker und kaufte ein.... und ich beendete das nachgemalte Bild, ich werde es einer Freundin schenken, weil meine Ärztin kein nachgemaltes aufhängen möchte, damit sie nicht an den Diebstahl erinnert wird... ich möchte für sie ein Neues malen, aber keine Idee... seitdem ich so viele Medis nehme, ist es aus mit der Kreativität. Ich brauche manische Zustände, um malen zu können!
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    • Jedenfalls bin ich draufgekommen, welchen Nachteil das Lithium gegenüber dem Seroquel hat. Ich bekam Weinkrämpfe, weil ich wegen dem Bild zu Hause Ärger hatte -- und normalerweise erhöhte ich immer das Seroquel in diesen Situationen. Jetzt musste ich Psychopax nehmen, nach vielen Jahren wieder einmal.
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    • Ja das ist auch schön. Ich finde es fast ein bisschen fröhlicher. Auf jeden Fall ist es wärmer. Aber hier hast du mehr Rot verwendet.
      Es ist keine exakte Kopie, aber das ist auch gut so. Es hat ja seine eigene Geschichte.
      Besonders interessant fine ich, dass die Äste hier nicht nach unten hängen, sondern sich nach oben streken. Der Baum wirkt jugendlicher und mit mehr Leben gefüllt, während der andere mich ein bisschen an jemanden erinnert, der ein bisschen die Schultern hängen lässt und da hinter irgendwo ist das Licht. Aber ich kann das nicht so gut beurteilen bei den kleinenn Bildern hier und ich kenne ja nicht das Original.
      Auf jeden Fall hat das neuen Bild seinen ganz eigenen Charme und die positive Stimmungs keinesfalls weniger.
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    • Jetzt habe ich ein nigelnagelneues Bild gemalt. Mit all dem Frust, den ich verspürt habe...
      Bilder
      • steal - Kopie.jpg

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    • Das ist richtig COOL!

      So hat sogar, so etwas hässliches wie ein Diebstahl etwas sehr gutes bewirkt. Hey du hast deine Kreativität wiedergefunden und das ganz ohne Manie, sondern Aggression umgesetzt in Kreativität. Jetzt hab ich fast Lust, selbst wieder zu malen. Ein lange Zeit lang war ich daran leider etwas desinteressiert und lustlos.
      Oder wie Walter Moers sagen würde: Das Orm hat mich nicht durchströmt.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zaubernuss ()

    • Gratuliere.
      Zur Frage> Ja, war an einem musischen Gymnasium und ich habe, denke ich schon daher, eine grundsätzliche Wertschätzung
      gegenüber Kunst.
      Aber ich schließe mich auch jenen an, die es wiederum als geradezu stigmatisierend empfinden, als "Bipolarer" quasi überdurchschnittlich künstlerisch sein zu MÜSSEN. Das ist sicherlich nicht der Fall.
      Allerdings gibt es - ich habe gerade zuletzt wieder eine Studie gelesen, müsste rumkramen, wo - schon Daten, dass INSGESAMT die Anzahl von überdurchschnittlich kreativ Tätigen unter Bipolaren höher ist, als bei "psychisch Gesunden".
      Ohne weitere Wertung oder Kommentar.
    • WOW, danke, Moritz hat mir gratuliert :jump: !
      Ich empfinde mich nicht überdurchschnittlich künstlerisch oder kreativ -- es macht mir einfach Spaß, meine Emotionen auszudrücken.
      Aber ich muss schon sagen: VOR der Medikation war ich kreativer. Zumindest empfinde ich es jetzt so.
      So. Ich habe gerade die Farben usw. aus der Küche weggeschafft, der Hausfrieden ist wiederhergestellt, ich bräuchte ein Atelier zum Mitbenützen, aber ich habe leider kein Geld dafür....
      Ich glaube, dass auch die Tatsache, in der Küche arbeiten zu müssen, mich hindert.
      In hypomanischen Phasen nicht so sehr, weil es mir dann wurscht ist!
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    • psmmg schrieb:

      Allerdings gibt es - ich habe gerade zuletzt wieder eine Studie gelesen, müsste rumkramen, wo - schon Daten, dass INSGESAMT die Anzahl von überdurchschnittlich kreativ Tätigen unter Bipolaren höher ist, als bei "psychisch Gesunden".

      Ohne weitere Wertung oder Kommentar.


      Habe ich gerade auch heute witzigerweise noch gelesen, danach seien 8% als Künstler tätig. Keine Ahnung, wie hoch der Prozentsatz ansonsten ist.


      Das Bild gefällt mir ebenfalls ausnehmend gut.
      Ich bin einfach zu dusselig, die Zitatfunktion richtig zu benutzen. Das Bild ist wirklich Klasse, vor allem wegen des eingeblendeten Textes und der Gitterstruktur, die man zum einen auffassen könnte als das, was du dem Dieb wünschst, zum anderen aber auch als deinen Blickwinkel auf all das, was dich am Glücklichsein hindert. Ob Küche oder Atelier, das Gute an der Kreativität ist, dass sie sich ueberall den Raum verschafft und wenn es 'nur' in den Gedanken ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jannis ()

    • Danke, Jannis... und weißt du, was am tollsten war? Ich konnte meine Gefühle endlich rauslassen, ohne jemanden zu belästigen... am ersten Tag unterdrückte ich sie ziemlich und es ging mir schlecht...
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    • Kunst halte ich für ein ganz spannendes Thema. Was ist das überhaupt? - Das Bundesverfassungsgericht, das nicht eines der blödesten einer ist, sagt; "Kunst ist Ausdruck geistig, seelischen Erlebens." Das erklärt mir aber noch lange nicht, weshalb Künstler dann immer eine Bühne suchen, warum müssen sie es zelebrieren, es ist doch ihr uereigstens Erleben und weshalb kümmern sich andere darum, was ein anderer geistig, seelisch erlebt? - Sie waren alle in unserem Sinne bekloppt, von van Gogh bis Hemmingway.

      Ich finde Kunst, wie sie nach dieser Definition des Verfassungsgerrichts gelebt wird, auch eher unspannend, die einen klecksen Leinwände voll, die anderen schnitzen so lang an einem Holzklotz herum, bis er die Form eines Tigers bekommt, andere trällern ein paar Tönchen (z.B. auch Helene Fischer) und nennen es dann "Opus" (vulgo: Werk). In ihrem Bereich machen eigentlich alle dasselbe: Klecksen, Hobeln, Trällern.

      Weshalb beschränkt sich die angebliche Kunst jeweils auf so wenige Aspekte der Wahrnehmung? Man kann sie zweidimensional erfahren (Malerei), dreidimensional (Bildhauerei), akustisch (Musik) oder durch Wortakrobaten, z.B. Comedians. Mehr gibt der Kunstmarkt schlicht nicht her.

      Was wahre Kunst ist, lehrt uns die Natur, die kann man mit allen Sinnen in sich aufnehmen, es werden alle Sinne gleichzeitig angesprochen:

      Man nehme einen Wald, der sieht nicht nur imposant aus, er riecht, er macht Geräusche, man kann die Bäume anfassen. Wenn ich ihn male, reduziere ich ihn aber auf einen Aspekt: Die Optik.

      Warum traut sich kein Maler ins Dreidimensionale? Warum verbindet ein Bildhauer seine Werke nicht mit Musik oder Geruch? Warum spielen viele Musiker (auch LangLang - technisch perfekt - tut das, ein Apparatschik) auf dem Instrument, wie auf einer Schreibmaschine und so hört sich das dann auch an? Warum kann man ein Badewanne beschmutzen (Boys) und das dann als Kunst ausgeben? Warum hat ein hässliches Mädchen wie die Mona Lisa im Louvre einen gutgesicherten Ehrenplatz?

      Ich bin ein sicherlich technisch eher unbegabter Klavierspieler, habe weder Noten noch Fingersatz gelernt, aber die Leute fangen an zu heulen oder zu klatschen, wenn ich mein bescheidendes Arsenal abschieße. Warum, merken die, dass sie es mit nichts anderes zu tun haben als mit unverfälschter Emotion?

      Warum gibt es keine Künstler, die den Menschen in allen Sinnen abholen?
    • Ach Jungs Bildungslücken, GROßE Bildungslücken...

      Das Geheimnis der Mona Lisa ist ihr Lächeln! Es ist bezaubernd, aber auch ein bisschen grinsend.

      Weil sie ein Geheimnis hat. Mit der Mona Lisa hat sich Leonardo Da Vinci selbst potraitiert als Frau. Der Gute war homosexuell und fand das wohl spannend sich mal aus der anderen Perspektive zu sehen. Es ist allerdings nicht überliefert, ob er auch einen Hang zum Transvestismus besaß, was keineswegs beides gemeinsam auftreten muss- seidenn man heißt Conchita Wurst zum Beispiel...

      @ Jannis

      Das ist schon längst erfunden! Es gibt Künstler, die durchaus zu ihren Gemälden auch Musik dazukomponieren und bei der Vernisace auch noch andere Sinne ansprechen, wie Geruch- also in zig Dimensionen gehen.
      Kunst ist nunmal von Menschenhand geschaffen. Der Wald wird immer nur Wald sein, aber der Mensch kann ihm alles verleihen, kann seine Form ändern, seine Farben, kann fanatstische Wesen dazuerschaffen ect. Ich sehe schon, du selbst bist nicht sehr künstlerisch tätig in deiner Freizeit. Es ist die Freiheit alles machen zu können. Der eigene Schöpfer zu sein. Kaum etwas ist unmöglich. Und man ist geflasht, wenn einem die Muse küsst und die Menschen lieben es dieses fantastische Gefühl nachzuempfinden, wenn sie das komponierte Hören oder das Bild betrachten usw. - vorausgesetzt es ist gut. Man kann mit einem Bild die gesamte Stimmung eines Raumes verändern. Man manipuliert damit auch etwas dadurch die Leute damit. Mal zum Guten (durch positive Energie), mal zum Schlechten (durch dunkle, schmutzige Töne). Kunst besitzt die Macht etwas zu bewirken. Sie kann auch Symbolkarakter übernehmen, sie kann politische Waffe sein durch Karikaturen usw. Das darf man niemals vergessen. Sie kann auch Hilferuf sein (ich denke an die Fotos der Kinder in Viatnam bei diesem Angriff mit Napalm- daraufhin waren die USA-Bürger so erschüttert, dass man erwirkt hat, dass der Vietnam-Krieg beendet wird).
      Was tun nach dem Absturz?
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    • Darüber, wen die Mona Lisa darstellen soll, gibt es viele Theorien, dass es ein Selbstbildnis ist, ist nur eine davon. Der Wert der Mona Lisa resultiert m.E. zum Großteil aus den vielen Mythen, die um sie ranken und der reichlich spannenden Geschichten. Für mich ist es stinklangweilig (habe es mir ein paar mal im Louvre angeschaut und keinerlei Faszination gespürt), da hatte der gute Leonardo ganz anderes drauf, z.B. das "Abendmal".

      Gerade in der Malerei findet sich sehr viel Scharlatanerie, der Wert scheint mir oft vom begleitenden Marketing abzuhängen. Wer traut sich schon bei einer Vernisage zu sagen, dass er ein Bild doof findet? Er müsste dann ja damit rechnen, für ungebildet gehalten zu werden, dann schwadroniert man halt lieber darüber, was der Künstler sich dabei gedacht haben mag.

      Ich selbst beschäftige mich mehr mit Musik, dass allerdings, nüssli, durchaus sehr aktiv, ich komponiere und spiele am Klavier. Derzeit macht es mir sehr viel Freude, die Genres zu mixen und daraus ein neues Stück zu machen, z.B. Klassik mit Jazz, Blues, Rock und eigenen "Erfindungen". Ich fische mir dann die bekannten Melodiesequenzen heraus und setze sie in einem neuen Kontext wieder zusammen. Siehe da, das funktioniert bestens und hört sich witzig an, wenn Mozart plötzlich gemeinsame Sache mit Stevie Wonder macht. Auch in der Musik ist man nach meinem Empfinden meist - es gibt Ausnahmen - nicht besonders wagemutig in der Kombination der Stile. Man stelle sich vor, wie es sich anhören könnte, wenn man Bach auf einmal mit lateinamerikanischen Rythmen und Instrumenten spielt.

      Einige Jahre habe ich in einer Band gespielt. Es war eine dieser entsetzlichen Coverbands, die für mein Empfinden völlig zu Unrecht beklatscht werden. Wir hatten durchaus lokale Bekanntheit, man hat uns oft gebucht. Wo ist da der kreative Prozess? Man plappert etwas nach, was ein anderer - und das viel besser - sich ausgedacht hat. Wir haben die aktuellen Charts rauf und runter nachgeplappert. Ich bin daher ausgestiegen und mache den kreativen Prozess lieber mit mir alleine aus, ich brauche auch kein Publikum und fand die Auftritte eher lästig (die Kollegen waren ganz scharf darauf, ihre Plagiate an den Mann zu bringen). Einmal durfte ich für einen TV-Film die Musik komponieren, das hat auch sehr viel Spaß gemacht, denn hier ging es ja darum Optik und Inhalt des Films mit dem Akustischen in Deckung zu bringen, ohne vom Filmgeschehen abzulenken.