Psychiatrie stationär

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    • Psychiatrie stationär

      Gerade war ich zwei Wochen im Neuromed, das ich acht Jahre nicht mehr erlebt habe. Meine Nierenwerte waren plötzlich schlecht. Nach 30 Jahren Lithium...- Wie es blattl-Art ist, habe ich erst einmal geschaut, was passiert, wenn ich Lithium ersatzlos ausschleiche. Es war da aber nur Finsternis, noch mehr Depressivität und unnette präpsychotische Phänomene. Jetzt wurde ich auf Valproinsäure umgestellt, und damit hat der reizende Oberarzt genau ins Schwarze getroffen, samt Erhöhung der Dosis Antidepressiva. Ich bin nun mal ein "schwerer Fall"...

      Aber auch sonst - WOW.

      Ärzte und Pfleger so menschlich und bemüht.

      Zweibettzimmer pippifein.

      Essen gesund möglich (blattl ist leichter, obwohl es nie gehungert hat)

      Therapien toll bis genussvoll



      Und - das war schon immer so - schöne Gespräche und auch mal eine Gaudi mit den Mitpatienten

      Ich brauch keinen Frühlingsurlaub mehr, den hatte ich.
      Und endlich bin ich nicht mehr so depri, jetzt beginne ich in einer Tagesstruktur im Exit, so sie mich nehmen. Psychotherapie hatte ich nämlich nur eine gute halbe Stunde in all der Zeit, das ist e bissale wenig.

      blattl
      die eigentlich jetzt abstauben sollte
    • Das freut mich so richtig für mich,
      blattl!

      Good news are boring news.

      Was soll man da schon diskutieren?
      Vielleicht, welchen Anteil die Medikamente an meiner Genesung hatten, oder ob sie auch das vergleichsweise reiche soziale Leben mitbewirkt hat (ich hatte mich vorher sehr zurückgezogen, da depri). Die Therapien sind doch recht oberflächlich in so kurzer Zeit.

      Auch nicht wirklich kontrovers.

      Aber das Klopapier, dieses spinnwebenartige, das war wirklich absolut diskussionsunwürdig.

      blattl
    • Hallo Blattl,

      gute Besserung... ja, ds Lithium geht auf die Gesundheit, bei mir waren es die Schilddrüsenwerte, die sich plötzlich veränderten... ich wünsche dir viel Glück mit dem V.säure...

      Kopf hoch

      fragile
      "Perhaps this final act was meant, to clinch a lifetime's argument
      That nothing comes from violence and nothing ever could
      For all those born beneath an angry star
      Lest we forget how fragile we are..." (Sting)
    • Ich bin derzeit so still, weils mir nicht gut geht. Das hat nichts damit zu tun, das mir die Themen zu langweilig wären.
      Ich freu mich natürlich, dass der Aufenthalt für dich so positiv war. Selber kann ich da gar nicht mitreden. Hatte nie einen stationären Aufenthalt.

      LG, Nüssli
      Was tun nach dem Absturz?
      Aufstehen. Krönchen richten. Würdevollen Schrittes weitergehen.
    • Aber fragile,
      mein Kopf ist doch derzeit noch ein wenig ZU hoch, aber der Alltag wird das schon wieder zurechtrücken. Sei gedrückt übrigens, lange nichts gehört von dir.

      Zaubernuss,
      wie äußert sich das Nicht-Gut-Gehen, physisch, psychisch, allgemein, endogen, exogen, was ist denn mit dir?
      Jedenfalls wünsche ich dir, dass dir diese zauberhaften Frühlingstage helfen.
      blattl
    • Hallo blattl!

      Wie sich das äußert: morgens kommt mein hyperthymes Wesen nicht mehr durch. Überhaupt wüsste ich nicht, wann ich das letzte mal Witze gemacht oder gelacht habe. Eigentlich eine feste Eigenschaft meiner Person. Ich bin auf Rückzug gepolt. Geräusche sind mir schnell zu viel. Ich fühle mich in der WG unwohl. Man respektiert nicht, dass man mich nicht immer dauerbeschallen kann mit Musik. Überhaupt ist meine Mitbewohnerin sehr launisch und laut und ich denke dann immer, ich hab wieder was "falsch gemacht" (zumindest in ihren Augen, ihre Besserwisserei kotzt mich an) und das stresst mich. Mir fehlt der Antrieb zu vielen Sachen. Ich kann mich nicht recht auf den Beginn des neuen Semesters freuen, eigentlich auf gar nichts. Ich kann mich nicht motivieren zu lernen und entspannen kann ich auch nicht, denn sobald ich Zeit habe, kommt nur alles hoch und ich weis nichts mit mir anzufangen.

      Die Feiertage waren doof. Wieder Feiertage ohne Familie. Wie 1000 Stiche ins Herz, wenn man sieht, wie alle anderen ihr Familiending machen. Familie, wie das klingt. Ich hatte das auch mal. Von jemandem gemocht werden, von jemandem vermisst werden. Überhaupt von jemandem angerufen werden. Am Mittwoch hatte meine Mutter Geburtstag. War nicht dort, ergo schlechtes Gewissen, aber ich hasse diese Frau wie die Pest. Sie hat unser Leben zerstört.
      Unendliche Einsamkeit, Traurigkeit, fühle mich tot und leer und wäre an vielen Tagen lieber tot als lebendig.
      Heute habe ich zufällig die live-Übertragung der Beerdigung von Guido Westerwelle gesehen. Das hat mich wieder zum Nachdenken gebracht. Ein Mensch, der das Leben geliebt hat. Ein Mensch, der gerne leben wollte. So ungerecht verteilt. Die einen möchten gerne leben und können nicht und die anderen möchten nicht mehr und tun es trotzdem weiter. Heimlich hab ich ihn bewundert. Wie es wohl ist so ein atemloser, begeisterter Teilnehmer am Leben zu sein? Immer aufgewegt und hungrig nach dem Abenteuer Leben. Ein Leben so wenig greifbar für mich und das genau frustriert. Ich fürchte, es wird nie anders bei mir sein. Eigentlich war ich zu was anderem bestimmt. Ich frage mich immer, was ist bloß schiefgelaufen, dass so ein fröhlicher Mensch, wie ich plötzlich so auf Abwege kommen konnte? Das bin nicht ich. Und dieser Knick im Leben. Einst war vieles anders. Und man schaut zurück und denkt, Gott was hätte ich für eine Laufbahn hingelegt, wäre ich nicht krank geworden. Ich hätte heute ein abgeschlossenes Studium, hätte vielleicht schon promoviert, wäre gebunden, vielleicht verheiratet, vielleicht Kinder, vielleicht auch nicht, eine super Anstellung. Doch kam alles anders. Ich glaubte schon den ultimatiben Tiefpunkt überwunden zu haben, aber immer, wenn ich Käfte formiert habe und denke, jetzt kommt die Wendung, dann kommt der nächste Schicksalsschlag. Irgendwann denkt man sich, wozu noch Kräfte sammeln? Der nächste Schlag kommt bald. Seit sie den Tumor gefunden haben, ist jetzt eine Weile vergangen. Die Zeit tickt. Das nächste Unglück lauert schon. Eigentlich weis ich schon, was kommt. Jemand in der weitläufigeren Verwandhschaft hat Krebs. Sie ist auch nicht älter als der Westerwelle und damit viel zu jung zum sterben.

      Aber was soll ich in einer Klinik? Blöderweise kenne ich viele der Ärzte dort durch mein Studium. Deshalb kenne ich auch die Einstellung vieler. Ich habe keine Lust auf eine Behandlung, von der ich jetzt schon weis, dass ich davon frustriert sein werde. Von mir aus sollen sie sich ihre dickmachenden Standart Bipolar-Medikamente gepflegt rektal einführen und behalten. Ein nicht unwesentlicher Teil der Medikamente, die sie so gerne einsetzen zeigt bei mir eh keine Wirkung. Letztlich wissen sie doch gar nicht mehr, was sie noch ausprobieren sollen. Dann kann ich auch zu Hause bleiben.

      Nun ja, nun hab ich genug Negatives aufgeschrieben. Vielleicht nicht so gesund für jemanden, der versucht hoch zu kommen- aber du hast ja auch gefragt...

      LG, Nüssli
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      Aufstehen. Krönchen richten. Würdevollen Schrittes weitergehen.
    • So weit war ich von deinem Zustand vor ein paar Wochen gar nicht entfernt. Ich wollte mich nicht umbringen, aber eigentlich wollte ich lieber tot sein, weil mich alles und jede r überfordert hat.
      Und was Schicksalsschläge betrifft, wenn dir ein Kind als Baby stirbt, dann schreist du und weinst du, und du bist nie mehr dieselbe wie vorher.
      Aber ich kann wieder lachen, und wie. Das geht nicht verloren. Und ich bewältige derzeit ein emotional aufwühlendes Erleben (Trennung eines Kindes) mit Bedacht und Tatkraft.
      Wenn ich etwas durch meinen Klinikaufenthalt einfach kapieren muss, mein Gehirn ist genetisch belastet, und es funktioniert ohne geeignete medikamentöse Therapie nicht, flankierende Maßnahmen natürlich nicht ausgeschlossen. Ich halte mich nur selbst in der Leidensspur, wenn ich mir nicht helfen lasse.

      Erst einmal so viel

      blattl

      die Wäsche hängt schon, das Haus ist gesaugt und aufgeräumt, Zeitung überflogen, jetzt schau ich, wie ich mit meinem veränderten Denkapparat beim Türkischlernen zurechtkomme. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ich glaube nämlich: BESSER
    • Hallo Blattl,

      sei gedrückt auch von mir, ganz herzlich!
      DAs wird schon mit dem Kopf wieder... das ist bei Mediumstellungen druchaus üblich.. Wann wirst du entlassen? Oder bist du schon zu Hause? Pass auf dich auf, ganz liebe Grüße

      fragile
      "Perhaps this final act was meant, to clinch a lifetime's argument
      That nothing comes from violence and nothing ever could
      For all those born beneath an angry star
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    • Hallo ihr,

      ich habe nicht behauptet, dass ich mich umbringen wolle, ich sagte nur, dass es gewisse dunklen Gedanken gibt, verbunden mit einem Überdruss am Leben. Also im Prinzip, dasselbe wie bei dir, lieber tot sein, als das weiter ertragen wollen.
      Es gibt viele Leute, die gehen nach einem Tiefpunkt gestärkt aus Schicksalsschlägen hervor. Wir Psychologen nennen das posttraumatisches Wachstum. Ich frage mich die ganze Zeit, wann denn endlich der Wendepunkt kommt. Ein paar mal sah es ja schon danach aus, aber dann kam ja jedes mal wieder ein neuer Rückschlag. Ohne irgendeine Form von Stütze werde ich es scheinbar nicht schaffen, aber ich meine keineswegs eine in Tablettenform. Mit ist der Halt verloren gegangen. Fühle mich nirgendwo dazugehörig und habe keine Ahnung, wo ich da finden soll, das mir fehlt. Darüber muss ich noch grübeln, vielleicht auch ausprobieren, was mir gut tut und was nicht. Aber sicher nicht in einem stationären Setting. Das halte ich für Zeitverschwendung, vor allem, wenn man bdenkt, dass am Montag die Vorlesungen und damit das neue Semester starten. Ich würde prompt den Beginn des neuen Semesters verpassen. Das fällt fast unter "worst case".

      LG, Nüssli
      Was tun nach dem Absturz?
      Aufstehen. Krönchen richten. Würdevollen Schrittes weitergehen.
    • Hallo Zaubernuss,

      deine Worte klingen sehr traurig und frustriert, was natürlich verständlich ist. In diesen Zeiten ist es auch mir immer sehr schwer gefallen, irgendwo einen Weg, eine Hoffnung zu sehen. Diese Gedanken, was wäre wenn, kennen wohl die Meisten von uns, die mit diesen Krisenverläufen zu tun haben. Ich habe neulich erst wieder den Satz von Patricia Deegan gelesen:

      "Dies ist das Paradoxe an Recovery: Beim Akzeptieren dessen, was wir nicht werden tun oder sein können, beginnen wir zu entdecken, wer wir sein können und was wir tun können. Recovery ist eine Art zu leben.»

      Für mich stimmt es, erst als ich akzeptierte, dass ich mein früheres Leben nicht mehr so aufnehmen konnte, war ich bereit etwas Neues auszuprobieren. Auch dieser Weg des Neuen war nicht immer von guten und glatten Zeiten gepflastert, es gab auch da Steine, die umschifft werden mussten und immer noch müssen, aber insgesamt fühlt es sich für mich besser als vorher an. Aber es ist natürlich auch ein langer Prozess.

      Natürlich ist es schwer aus diesen hoffnungslosen Gedanken herauszufinden und die Angst, wenn man sich wieder aufgerafft hat, wieder fallen zu können, ist natürlich gegeben und verständlich. Die Gefahr ist, dass wir uns dann wenig zutrauen, um nicht wieder enttäuscht zu werden und somit viel mögliche Lebensqualität verlieren.

      Du hast eines aber gut erkannt, damit überhaupt wieder ein Schritt nach vorne getan werden kann braucht es Menschen, braucht es Beziehungen, braucht es ein Gefühl von angenommen sein, akzeptiert zu werden und so sein dürfen, wie man eben ist, auch mit seinen Unzulänglichkeiten. Ein Mensch, der an einen glaubt und solange für einen die Hoffnung bewahrt, bis man es selber wieder kann.

      Ich kann nachvollziehen, wenn Klinik für dich nicht der richtige Ort ist. Was gibt es sonst noch für Orte in deiner Umgebung, wo du das Gefühl hast, da könnten Menschen sein, wo du dich nicht fremd fühlst, bzw. wo du dich schnell eingewöhnen kannst ohne dich viel erklären zu müssen? In vielen Orten gibt es für den Anfang sogenannte "Kontaktstellen" wo Menschen mit Krisenerfahrung ohne Termin, einfach zu den Öffnungszeiten hinkommen können, um dort einen Tee oder Kaffee zu trinken. Es gibt aber auch die Möglichkeit "Begleitungsstunden" zu beantragen, wo dich jemand zu hause besucht oder ihr euch an einem Treffpunkt verabredet.

      Vielleicht hast du in deiner Umgebung ein sogenanntes Peerberaterangebot? Außerhalb des Gesundheitssystems könnte es Veranstaltungen in der Gemeinde sein. Auch an der Uni gibt es eine sogenannte Studentengemeinde, der man sich locker anschließen kann. Es gibt auch an den Unis Studentenberatungen, evtl. kannst du schauen, ob ihr da eine Gruppe gründen könnt für Studenten, denen es im Moment nicht so gut geht.

      Aber ich weiß auch, dass bei all dem es natürlich sehr, sehr viel Kraft kostet, das überhaupt in Angriff zu nehmen. Es ist schwer sich zu motivieren in dieser Zeitspanne, die gefühlt so endlos erscheint. Sie ist aber nicht endlos, es wird wieder eine Zeit kommen, wo du es schaffst, auch wenn sie jetzt so weit weg erscheint.

      Ich wünsche Dir die Kraft und den Mut, diese Zeit durchzuhalten und die Kraft auch Hilfe zu suchen und wenn es nur für eine kurze Intervention ist.

      Viele Grüße Heike

      "Wenn unser Leben die Summe unserer Entscheidungen ist, dann können wir nicht ändern wer wir jetzt sind, ABER mit jeder Entscheidung die wir JETZT treffen, können wir bestimmen wer wir sein WERDEN." (Verfasser unbekannt)

      systemdenker.mainchat.net/
    • blattl schrieb:

      Wer sich müde und antriebslos fühlt, soll erstmal schauen, ob er nicht von zu vielen A....löchern umgeben ist.
      Du ahnst ja nicht, wie viel unglaubliche Wahrheit darin steckt! Ja es ist wahr, mein Umfeld nimmt mir alle Kraft. Am schlimmsten ist es zu Hause und das trifft mich am meisten. Zu Hause sollte ein Ort des Wohlfühlens sein, aber für mich ist es ein Ort, wo ich terrorisiert werde. Schon wen ich in unsere Straße einbiege, dann wird mir mulmig und ich denke "hoffentlich ist sie nicht da". Ich werde in meiner WG mit Musik dauerbeschallt. Heute nacht bin ich um 0:33 aus dem Schlaf gerissen worden, weil sie in der Küche (die an mein Zimmer direkt grenzt) Musik anmachte und irgendein Essen zubereitete. Und was für ein depressives Gejaule. Dann geht sie raus, macht dort die Musik aus. Geht ins Bad, macht dort Musik an zum Waschen. Macht es aus, geht in ihr Zimmer, macht dort Musik an bis sie schlafen geht. Teilweise bis nachts um 2. Ich habe heute nacht dermaßen auf 180 gekocht, dass ich mich anzog und wutentbrannt das Haus verließ, um (mal wieder) schlaflos durch die Nacht zu irren. Und wenn man gegen morgen dann endlich wegnickt, dann dauert es nicht lange, dann tappt sie wieder in die Küche, Radio laut an und man wird wieder dauerbeschallt. Ich finde hier einfach keine Ruhe, man stört mich am Schlafen und das ist mein empfindlichster Punkt. Als ich hier einzog war ich ein fröhlicher Mensch, voller Hoffnungen und Vorfreude auf das damals bevorstehende neue Semester. Anfangs war das auch so. Aber heute bin ich Dauergestresst und ich bin ständig wütend. Auf alles und jeden reagiere ich gereizt. Ich merke selbst, wie aggressiv ich geworden bin und erkenne mich nicht wieder. Das gehört eigentlich nicht zu mir. Ich war früher so gelassen, aber diese ständige unverschämte Respektlosigkeit und Grenzüberschreitung über 1 Jahr hinweg, das hat diese Seite an mir hervorgeholt. Da kann auch der geübte Buddhist nicht mehr drüberweglächeln. Mein Gott, anständige Menschen, die raffen doch, dass man irgendwann nachts sich ruhiger Verhalten muss, vor allem, wenn man Zimmer vermietet hat. Andere Menschen sehen sich aber auch nicht als Mittelpunkt der Welt und stellen immer ihre Bedürfnisse vorne an. Sie raffen, dass es da wen anderes gibt, der vieleicht jetzt schlafe möchte, vielleicht sogar muss, weil er am nächsten Tag früh aufstehen muss. So gesehen hast du vollkommen Recht: sie ist sozusagen die weibliche Form eines rücksichtslosen A***s. Und solche Leute ruinieren einem den Spaß am Leben. Deshalb hab ich bevor sie aufstand schnell mein Frühstück gemacht, hab meine Unterlagen geschnappt ect. und hab mich in mein Studierzimmer verkorchen, um dem neuerlichen KRach schon früh am morgen zu entgehen. Außerdem denke ich, es hätte sonst geknallt.

      @ Heike

      Danke für deine sanften Worte. Es stimmt, ich fühle mich hier nicht angenommen. Immer muss ich alles so machen, wie es hier gewünscht wird. Und wehe wenn nicht, dann bekomme ich das sofort aufs Brot geschmiert. Aber auf meine Bedürfnisse wird in keinster Weise Rücksicht genommen. Das lächerlichste überhaupt ist, dann meine Mitbewohnerin Lehrerin für Deutsch und ETHIK (ausgerechnet Ethik!) wird. Was will sie denn Kindern beibringen, was sie selbst nicht kann?? Ach, was reg ich mich selbst schon wieder auf.

      Ja es gibt hier eine Selbsthilfekontaktstelle beim sozialpsychiatrischen Dienst. Aber ich weis nicht, ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht gut ist, wenn man sich als Bipolarer in seiner Freizeit auch noch mit anderen psychisch Kranken trifft (seidenn die sind sehr stabil). Man denkt sonst an nicht anderes mehr, als immer nur an die Erkrankung. Da ist nicht so viel mit Ablenkung.

      Was meinst du denn mit Begleitstunden? Es kann sein, dass es in deinem Bundesland anders heißt, als in meinem. Deswegen etwas Verwirrung. Bei uns gibt es das "persönliche Budget" für Leute mit Behinderung (auch wenn ich das gar nicht gerne höre). Ich arbeite ja zufällig bei einem Verein, der sowas anbietet, jedoch würde ich im eigenen Unternehmen kein Kunde werden wollen, weil ich befürchte, dass die Teamleiter untereinander sich austauschen (mit anderen Worten tratschen) und das dann Dinge, die eigentlich der Schweigepflicht unterliegen quer durch das Unternehmen getratscht werden. Eine meiner Patientinnen ist ja auch unternehmensintern eine lebende Legende (und das nicht im positiven Sinne), weil sie so schwierig ist und anscheinend wissen alle anderen Teamleiter immer bestens Bescheid, was bedeutet, dass es da undichte Stellen gibt. Außerdem wird da auch Supervision gemacht.
      Mir fällt ansonsten als spzeialisierter Dienst nur noch die Soziale Hilfe Marburg ein. Das sind spezielle Dienste ausschließlich für Menschen mit psychischer Erkrankung. Da wir hier EX-IN haben, haben wir auch Peer-Beratung. Muss ich mal schauen. Eine der Damen hab ich ja beim psychiatrischen Kolloquium kennengelernt.
      Oh Gott, ich bin so froh, wenn wieder die Vorlesungen anfangen und ich das Gefühl haben werde, mein Leben besteht nicht nur aus Arbeiten, Schlafen und Psychoterror. Anderer Input, andere Menschen. Das Gefühl was sinnvolles zu tun und voran zu kommen. Aber hier muss sich dringend etwas ändern. Ansonsten muss ich schon wieder umziehen, aber das durchquert meine finanziellen Pläne. Dann muss ich auf ganz viel verzichten. Keine Ausflüge, schon gar keine Reise und auch sonst nichts. Aber ich brauche das so dringend gelegentlich.

      So, das wars erstmal von mir. LG, Nüssli
      Was tun nach dem Absturz?
      Aufstehen. Krönchen richten. Würdevollen Schrittes weitergehen.
    • Im Studium hatte ich auch mal in einer WG gewohnt. Das war überhaupt nichts für mich, weil die jeweiligen Ansichten, wie sowas funktioniert sehr unterschiedlich sind: Die Mädels waren untereinander "stutenbissig" und die Jungs meist schlampig, außerdem gibt es in einer gemischten WG oft auch erhebliche Probleme auf der sexuellen Ebene, weil ein Durchschnittsstudent halt dauerspitz ist und die Mädels sehr unterschiedlich ausgeprägte Moralvorstellungen haben.

      Mir war das alles zu blöd und habe mir einen alten Wohnwagen zugelegt und als Dauercamper auf einem Campingplatz in landschaftlich reizvoller Umgebung gewohnt, das war dann eine schöne und unproblematische Zeit und es war vergleichsweise preiswert (keine Ahnung, was sowas heutzutage kostet).
    • Hallo Jannis,

      was muss ich mir denn unter "stutenbissig" vorstellen? Das ist hier regional kein gebräuchliches Wort...
      Ich wohn ja in keiner gemischten WG. Ich hatte mal für 2 Jahre eine WG mit einem Biologie-Studenten, dem Felix. Das war total super. Der hatte irrsinnig viel Humor und war locker. Wir sind sogar jede Woche zusammen Einkaufen gefahren, sind ins Kino gegangen, haben stundenlang zusammen in der Küche geschwätzt bei einem Glas Sherry. Das war super. Der hat mir Kopfhörern Musik gehört, wenn er nachts oder spät abends da Bock drauf hatte. Der konnte auch Konsense machen und man hat sich über Sachen geeignet, statt darauf zu beharren, dass alles so gemacht wird, wie er will. Man, war das schön! Überhaupt habe ich das Gefühl, dass gemischte Geschlechter keine schlechte Mischung sind. Wo auch Pfleger mit arbeiten, statt nur Schwestern, kehrt sofort mehr Entspannung ein. Wo ein paar Jungs mit in der WG ist auch super. Manchmal sind Männer auch die besseren Freundinnen. Das funktioniert aber imme rnur solange, wie die nicht anfangen miteinander zu schlafen oder sich anderswie irgendwelche speziellen Grüppchen herausbilden. Aber sexuelle Sachen machen echt viel kaputt. Die alleinige Unterstellung dessen versaut es schon, selbst wenn da nichts ist.
      Während meiner Praktikumszeit hatte ich das im Bundeswehrkrankenhaus. Da kam ich mit den Pflegern auch tausendmal besser aus, als mit einem gewissen Teil der Schwestern, die sowas von zickig waren. Mit einem hat man mir direkt ein Verhältnis nachgesagt, weil wir gesehen worden waren, als wir zusammen mal das Kino besucht haben. Bei dem anderen (er war Pfleger, aber spielte außerdem im Orchester Bundeswehr) da fing das nach kurzer Zeit auch an. Eigentlich haben wir uns vor allem so gut verstanden, weil er zum einen so umgänglich ist und eine wansinns Frohnatur und zum anderen wie ich eine große liebe zur klassischen Musik hegt. Ja klar und von der klassischen Musik ist es zum klasschischen Geschlechtsakt ja nicht mehr fern...Total irrsinnig, weil der Man schwul ist und zum Glück sind sie ohne mein Zutun von alleine darauf gekommen (oder vielleicht wusste der Chef das als einziger auch) und mussten sich eingestehen, wie unglaublich diese Anschuldigungen waren. Also diese Geschlechtersache ist eine komplizierte Sache. Man, hat mich das genervt. Ich habe meine Praktikumszeit dort, dann auch nicht verlängert. Aber vielleicht ist es auch nur in der Bundeswehr so schlimm.
      Das war (um mal wieder aufs Thema zu kommen) übrigens eine halbgeschlossene Psychiatrie. Da konnte man auch seine Beobachtungen machen, wie unglückliche Lebensumstände Menschen in Depressionen stürzen können.

      LG, Nüssli
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    • "Stutenbissigkeit" entsteht durch Neid oder Missgunst, man beißt dann halt um sich und zwar die eigenen Geschlechtsgenossinnen. - Dachte der Begriff wäre bundesweit bekannt. Ich habe schon oft gehört (vor allem am Arbeitsplatz), dass Frauen mit Männern besser auskommen. Am besten läuft das wahrscheinlich tatsächlich, wenn die Männer schwul oder die Frauen lesbisch sind. Bei uns war beides halt nicht der Fall und so kam es halt dauernd zu irgendwelchen Verwicklungen und tieffliegenden Tellern... ;)
    • Ich habe nur einmal in einem Studentenheim in einem Zweierzimmer gewohnt, es ging mir damals sehr schlecht, ich war depressiv, ohne zu wissen, dass ich es bin. Meine Zimmergenossin und ich gingen uns eher aus dem Weg, es kam keine Wärme auf. Leider hat das blattl in Vergleich mit ihr die männliche Aufmerksamkeit viel mehr erregt, da sind wir beim Thema Stutenbissigkeit. Sie hatte aber eh einen Partner, den sie denke doch, liebte.
      Eine lustige Episode gibt es aus der Zeit. Als ich einmal am Wochenende allein im Zimmer war, wurde ich durch lautes Schnarchen geweckt. Nachdem ich mich einmal orientiert hatte, fand ich im Bett meiner Kollegin einen splitterfasernackten Mann vor. Er hatte im Suff die Zimmertür seiner Freundin (zwar sowieso verboten und so,...) verfehlt und war bei mir gelandet.
      Ich weckte ihn, aber er wollte erst noch nicht einmal gehen, weil er sich so im Recht fühlte, benebelt wie er war.
      Dann fiel ihm meine Aufmachung auf, und er begann sich, langsam dämmernd, zu amüsieren.
      Damals hatte das blattl lange Naturlocken, und die hat sie nach dem Waschen am Abend mit einem Tuch gebändigt, das es nach Großmutterart erst vorne umschlang und dann hinten knotete.
      Er hat dann immer nur Oma zu mir gesagt. In seinen lustigen Freundeskreis bin ich leider trotz Einladung nicht eingestiegen, der Depri geschuldet.

      blattl
    • Und noch was zum Thema,
      in ihrer letzten Nachtschicht vor Ostern hat eine Pflegerin jedem Patienten ein buntes Osterei in einem selbstgebastelten Untersetzer hingestellt.

      In der Depressionsgruppe haben wir eine ganzseitig Liste von Aktivitäten erhalten, die wir als Prävention gegen das Abgleiten in die Depression unternehmen könnten. Da war auch Flirten dabei, und einen Hauch von Flirten hat sich das blattl auch mit den Männern dort erlaubt. Eher weniger Flirten, eher menschliches Zugehen, obwohl es sich um einen Mann handelt.

      die vorsichtige
      blattl
    • Wir waren damals vier Jungs und drei Mädels (ehemalige Pension). Jeder hatte sein eigenes Zimmer, bis auf zwei der Mädels, die sich ein Zimmer teilten. Konflikte gab es in der kleinen Gemeinschaftsküche mit Zweiflammenherd, einem Kühlschrank und wir hatten zusammen auch nur zwei Duschen auf dem Gang. Wir alle hatten zuhause - also unserem primären Wohnort - Partnerinnen/Partner. Eines der Mädels, eine auch ansonsten zickige Medizinstudentin, hielt ihrem Partner die Treue und war entsetzt darüber, dass wie anderen moralisch flexibler waren. Unter uns Jungs kam es deswegen aber überhaupt nicht zu Eifersuchtsdramen, zumal die zwei Mädels ihre Gunst recht gleichmäßig und freizügig verteilt hatten.

      Ich wäre da auch wohnen geblieben, wenn es eben die o.g. Konfliktecken nicht gegeben hätte.
    • Als ich letztens eine Bescheinigung von meiner Ärtin brauchte, da war ich tatsächlich mal oben auf der Depressionsstation, wo sie sonst arbeitet (in der Ambulanz behandelt sie nur noch wenige Patienten). Da ich etwas warten musste, musterte ich die Aushänge auf den Wänden des Stationsflures. Da hatten sie zu jedem Buchstaben des Alphabets auch einige Tätigkeiten zusamengetragen und ausgehangen, die angeblich gegen das Wiederaufterten von Depressionen gut sein sollen. Wahrscheinlich machen sie das auf jeder Depressionsstation mittlerweile. Es waren allerdings auch ein paar affige Sachen dabei. Die waren so lächerlich, dass sie mir zum Großteil wieder entfallen sind. Manchmal denke ich mir, dass sich erwachsene Menschen dort manchmal vorkommen müssen, wie im Kindergarten. Das ist eine der Sachen, die mich an psychiatischen Stationen stört. Menschen dort so herabgesetzt auf einfachste Sachen und der erzieherische Aspekt (anders kann amn es nicht nennen), finde ich auch teilweise demütigend. KEin Wunder, dass mancher dort mit den Sachen nichts anfangen kann.
      Was tun nach dem Absturz?
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