Weihnachten naht, Tragödie inklusive

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    • Weihnachten naht, Tragödie inklusive

      Liebe Alle!

      Meine Mutter leidet an paranoider Schizophrenie.
      Sie war bereits jahrelang in der Forensik und hatte in den letzten Jahren die Auflage ihre Medikamente (Olanzapin, also Zyprexa) zu nehmen.
      Seit Sommer hat sie diese Auflage nicht mehr.
      Nun habe ich erfahren, dass sie sie natürlich sofort schnurstracks abgesetzt hat.

      Nun ist sie wohl wieder psychotisch ((kein Wunder!!), zieht sich sozial zurück, und ist wahrscheinlich wieder paranoid.
      Ich weiß das nur von meinem Bruder, der als einziger noch regelmäßigen Kontakt zu ihr hat.
      Ich weiß dass das hart klingt, und auch hart ist, aber da ich es (noch) nicht schaffe mich von ihr abzugrenzen, kann ich auch keinen Kontakt zu ihr haben.

      So, ich habe nun mit ihrem Hausarzt telefoniert, der ist zum Glück bereits informiert (sie hat sich ja die Medikamente nicht mehr abgeholt) und hat auch schon Schritte veranlasst (psychosozialer Dienst war bereits bei ihr, ihre Sachwalterin, und noch einige andere Menschen).
      Ich habe ihn nochmal auf die Dringlichkeit hingewiesen (meine Mutter hat mir vor ein paar Jahren gestanden, dass sie während der letzten Psychose auch Selbstmordabsichten hatte), und dass sie lt. meinem Bruder schon noch eine Auflage hätte, nämlich sich einen Psychiater oder einen Psychologen (das wußte er nicht genau) zu suchen, was sie nicht gemacht hat.

      Daraufhin versicherte er mir, dass er sich nochmals dahinterhängt und die Stellen nochmal informiert, damit notwendige Schritte eingeleitet werden (Das läuft wahrscheinlich auf eine Einweisung hinaus, sie wird die Medikamente nicht freiwillig nehmen).
      Ich sollte mich am Ende der Woche nochmal über den Stand der Dinge bei ihm informieren.

      Da war ich total beruhigt, konnte erleichtert durchatmen.
      Verantwortung nicht mehr auf meinen Schultern, ich kann sie auch nicht tragen.

      Nun habe ich heute angerufen, und die Ordination ist nun krankheitsbedingt geschlossen!!
      Was soll ich jetzt tun?
      Ich habe ihrem HA mit der Bitte um Kontaktaufnahme eine eMail geschrieben.
      Ich will mich nicht zu sehr reinhängen mit meiner Mutter, mir tut es einfach nicht gut, ich bin ja froh wenn es mir selbst so halbwegs gut geht.
      Aber ich habe Sorge um sie, es geht anscheinend schon seit Monaten wieder dahin...
      Und sie ist ja trotzdem noch meine Mutter!
      Es zerreisst mir das Herz...

      Mein Bruder hat noch Kontakt und sie vertraut ihm auch noch.
      Doch ist er der Meinung, dass sie es ohne Medikamente versuchen soll, obwohl es ihr nach seinen Aussagen sichtlich sehr schlecht geht.
      Sie dürfte auch wieder paranoid sein und hat sich sozial bereits wieder zurückgezogen.


      Soll ich jetzt einfach abwarten?
      Weihnachten steht ja auch noch vor der Tür und sie will es alleine verbringen (Mein Bruder hätte sie zu sich und seiner Familie eingeladen), was ich als schlechtes Zeichen werte...
      Soll ich mit ihrer ehem Psychiaterin Kontakt aufnehmen probieren?
      Ihre ehem. Psychiaterin ist - soweit ich das über meinen Bruder herausgefunden habe - die mittlerweile sehr bekannte Gerichtspsychiaterin Frau Dr. Kastner.
      Komme ich da überhaupt ran?

      Hach, ich bin schon wieder etwas verzweifelt, es ist einfach so eine Tragödie!!
      Immer wieder!
      :((

      Hat jemand einen guten Tipp fürs verzweifelte Müsli?
    • Müsli wrote:

      Soll ich mit ihrer ehem Psychiaterin Kontakt aufnehmen probieren?
      Ihre ehem. Psychiaterin ist - soweit ich das über meinen Bruder herausgefunden habe - die mittlerweile sehr bekannte Gerichtspsychiaterin Frau Dr. Kastner.
      Komme ich da überhaupt ran?
      Liebes Müsli,

      harter Stoff, den ich leider nur zu gut kenne, Weihnachtszeit war immer die Zeit
      der schlimmsten Ausraster in meiner Familie. Insofern ist Deine Selbstfürsorge
      lebensnotwendig, ein schlechtes Gewissen ist nicht angebracht, bleib auf Ab-
      stand, versuch nicht (!) daran zu denken. Ich weiss, wie schwer das ist ! ;(

      Kannst Du die ehem. Psychiaterin per Tel. bzw. Mail erreichen ? Das ist das
      Maximale, was Du tuen solltest, alles andere hat wenig Sinn, weder für Deine
      Mutter und noch viel weniger für Dich. Es hilft niemandem, wenn Du instabiler
      werden würdest !

      Kleines Beispiel aus meiner Familie: Sollte es irgendwelchen Trouble geben,
      zB. Bruderherz granatenvoll vor der Haustür stehen (wie oft zur Weihnacht),
      verständigen wir sofort (!!) den sozialpsychiatrischen Dienst, bei Gewalt auch
      gleich die Polizei. Würde ich es nicht tuen, würden es Frau und/ oder Tochter
      tuen. Es gibt bei uns keinerlei Puffer mehr, viel zuviel ist bereits passiert, das
      hält keine Sau auf Dauer aus, auch gesunde Menschen nicht.

      Erinnere ich mich falsch, hat Deine Mutter nicht die Auflage, Medikamente
      nehmen zu müssen ? Ich würde die Psychiaterin verständigen, sie kann weitere
      Schritte einleiten bzw. sich kundig machen.

      Ich drück Dich mal tröstend und wünsche Dir trotzdem möglichst relaxte Feier-
      tage.

      LG von wendelin


      PS: Während einer seiner Major-Manien habe ich Bruderherz Weihnachten zu uns
      geholt, er hat alles 'gesprengt' und uns völlig fertig zurück gelassen. Das passiert
      NIE wieder ! Aber die Sorge ist trotzdem da, dass er bei uns klingeln wird. ;(
    • Lieber Wendelin,

      Wendelin wrote:

      PS: Während einer seiner Major-Manien habe ich Bruderherz Weihnachten zu uns
      geholt, er hat alles 'gesprengt' und uns völlig fertig zurück gelassen. Das passiert
      NIE wieder ! Aber die Sorge ist trotzdem da, dass er bei uns klingeln wird.
      Das verstehe ich gut, weshalb ich meiner Mutter meine Adresse nicht gesagt habe.


      Wendelin wrote:

      Erinnere ich mich falsch, hat Deine Mutter nicht die Auflage, Medikamente
      nehmen zu müssen ? Ich würde die Psychiaterin verständigen, sie kann weitere
      Schritte einleiten bzw. sich kundig machen.
      Richtig erinnert.
      Allerdings ist diese Auflage mit Juli ausgelaufen, ich hatte das nicht gewußt...

      Ja, ich denke ich schreibe der Psychiaterin eine eMail, telefonieren ist mir zu viel...

      Wendelin wrote:

      Insofern ist Deine Selbstfürsorge
      lebensnotwendig, ein schlechtes Gewissen ist nicht angebracht, bleib auf Ab-
      stand, versuch nicht (!) daran zu denken. Ich weiss, wie schwer das ist !
      Ich versuche es, aber es ist nicht leicht...
      Meine Behandler haben mir ebenfalls davon abgeraten, meiner Mutter in meinem Hirnkasterl zu viel Raum zu geben oder gar mich zu viel einzumischen.
      Verantwortung an ihre Ärzte und ihre Behandler abgeben.
      Leichter gesagt als getan!!
      Vor allem wenn der Hausarzt, auf den ich jetzt so gehofft hatte, ausgerechnet jetzt krank wird, und ich wieder alleine dastehe!

      Danke der tröstlichen Worte!
      Gruß nach Deutschland vom Müsli
    • Müsli wrote:

      Ich versuche es, aber es ist nicht leicht...
      Meine Behandler haben mir ebenfalls davon abgeraten, meiner Mutter in meinem Hirnkasterl zu viel Raum zu geben oder gar mich zu viel einzumischen.
      Verantwortung an ihre Ärzte und ihre Behandler abgeben.
      Leichter gesagt als getan!!
      Ja, so kenne ich das auch, und mittlerweile ist auch die Einsicht da, dass ich nullkommanull
      helfen kann, wenn das Gegenüber partout nicht will.
      Ich hätte auch keine Schuldgefühle mehr, wenn wir erneut offizielle Stellen einschalten müssten,
      das könnte ebenfalls durchaus Forensik bedeuten, da vieles bereits aktenkundig ist.

      Deine Behandler haben völligst Recht, lass ihr in Dir möglichst wenig Raum, lenk Dich ab, bleib
      nicht allein und vor allem, sorge anständig für Dich ! Ich kann Dir versprechen, dass man das
      lernen kann, schliesslich konnte ich es ja auch, es geht also. Bittere Gefühle werden bleiben,
      aber die dürfen möglichst wenig Raum haben, dann wird es erträglich.

      Liebe Grüße zurück nach Österreich von wendelin ;)
    • Lieber Wendelin,

      ich habe gar keine bitteren Gefühle.
      Es tut mir einfach nur unendlich leid für sie.
      Sie hat schon so viel Leid in ihrem Leben erfahren und es hört einfach nicht auf.
      Das ist bitter.
      Aber es erweckt keine bitteren Gefühle mehr.
      Nur Mitgefühl und Traurigkeit
      Lamotrigin und der Erkenntnis meiner HS sei Dank ist das aber nicht so schlimm wie früher.
      Und natürlich dank meiner lieben Behandler, die sind sowieso der Hit.

      Erstaunlicherweise zieht es mich tatsächlich immer nur ganz kurz runter, sobald halt wieder etwas schiefgeht, aber ich komme gleich wieder hoch.
      Das ist wirklich wunderbar und eine ganz neue Erfahrung für mich!

      Ich habe jetzt ihrer Psychiaterin geschrieben.
      Wohl überlegt, 1,5 Stunden an der Mail gebastelt.
      Mehr kann ich nicht machen.
      Jetzt wissen es alle.
      Nicht mehr mein Zuständigkeitsbereich.

      Nochmals danke für die Worte!
      Jetzt schmeiße ich mich ins Schaumbad und wünsche alle einen schönen Tag!
    • Müsli wrote:

      Erstaunlicherweise zieht es mich tatsächlich immer nur ganz kurz runter, sobald halt wieder etwas schiefgeht, aber ich komme gleich wieder hoch.
      Das ist wirklich wunderbar und eine ganz neue Erfahrung für mich!
      Freut mich sehr zu lesen, so ist es bei mir inzwischen auch. :P
      Aufpassen muß ich nur auf die Schwankungen, die dürfen
      nicht zu extrem werden, denn dann ist es wieder Ultra-
      rapidcycling.
      Platt gesagt, Bodenhaftung nicht verlieren.

      Müsli wrote:

      Jetzt schmeiße ich mich ins Schaumbad
      Jau, und ich in ein Totes Meersalz/ Eukalyptusölbad ^^ , dann kommt
      auch meine Frau von der Schule heim und die Weihnachtsferien beginnen.
      lgw