Neuartiger Überblick

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    • Neuartiger Überblick

      Hallo,

      passend zur Beobachtung aufbrechender alter diagnostischer Ansätze die Kurzrezension eines Buches über psychische Erkrankungen im kindlichen/jugendlichen Alter:

      Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter
      Von Bernhard Blanz, Helmut Remschmidt, Martin H. Schmidt u. a.
      SCHATTAUER
      ISBN: 3794521757

      Dieses Lehrbuch gibt einen umfassenden Überblick über Psychopathologie, klinisches Bild, Diagnostik und Therapie der psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Dabei bedienen sich die Autoren einer völlig neuartigen entwicklungsbezogenen Einteilung der Störungen. Diese orientiert sich nicht wie die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) oder die DSM-IV-Klassifikation (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) an der Symptomatik, sondern vielmehr am Auftreten der Störung im Verlauf der kindlichen Entwicklung sowie am Krankheitsverlauf.

      Diese neue und zunächst etwas unübersichtlich erscheinende Klassifikation wird im ersten Kapitel ausführlich dargestellt und ihre Beziehung zur ICD-10-Klassifikation erläutert. Dabei werden die Vorteile einer entwicklungsorientierten Klassifikation der psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter für Diagnostik und Therapie zwar klar, die Einordnung der einzelnen Störungen bleibt aber gewöhnungsbedürftig: So findet sich etwa die vorübergehende Tic-Störung im Kapitel 3 "Reifungsabhängige Störungen, während die chronische Tic-Störung in Kapitel 4 "Alterspezifisch beginnende Störungen" anzutreffen ist. Die unterschiedlichen Formen der Störung des Sozialverhaltens sind gar in vier verschiednen der sechs Kapitel zu finden. Darüber hinaus könnte die Anordnung der Störungen innerhalb der einzelnen Kapitel etwas klarer strukturiert sein, was die Klassifikation insgesamt noch recht unausgereift erscheinen lässt.

      Die insgesamt etwas knapp gehaltene Darstellung der einzelnen Störungsbilder erfolgt anhand kurzer, aber anschaulicher Fallbeispiele. Anhand des klinischen Bildes wird der Bezug zur ICD-10 beziehungsweise DSM-IV Klassifikation hergestellt. Weiterhin folgt ein kurzer
      Überblick zu Psychopathologie, Diagnostik, Prävention und Intervention sowie zu weiterführender Literatur.

      Drei allgemeine Kapitel schließen das Lehrbuch ab. Hier werden zunächst die gängigsten Methoden einer multimodalen Diagnostik kurz erläutert und etablierte diagnostische Instrumente für den deutschsprachigen Raum tabellarisch aufgeführt. Ein Kapitel beschäftigt sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Intervention von der Frühförderung über Familienarbeit und Jugendhilfe bis zu den unterschiedlichen Formen der Psychotherapie und der Psychopharmakotherapie. Das letzte Kapitel gibt schließlich einen Überblick über alters- und geschlechtsabhängiges Auftreten psychischer Störungen, Risikofaktoren sowie Möglichkeiten der Prävention.

      Die Texte sind gut verständlich und die Erklärungen anschaulich. Kurze Zusammenfassungen zu den einzelnen Kapiteln würden aber das Verständnis noch erleichtern und einige Abbildungen würden das recht nüchterne Erscheinungsbild etwas ansprechender machen.

      Das Lehrbuch stellt durch seinen bemerkenswert innovativen entwicklungsbezogenen Ansatz eine interessante Bereicherung für die Fachliteratur zur Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie dar. Der Leser erhält einen guten Überblick über das große Spektrum der psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Diagnostik und Therapie. "Klassischer" strukturierte Lehrbücher für dieses Fach sind für einen ersten Einstieg in die Materie wohl besser geeignet. Dieses Buch ist jedoch für im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie bereits eingearbeitete Leser, die sich auf die entwicklungsbezogene Klassifikation einlassen, auf jeden Fall eine erfreuliche und lesenwerte Bereicherung.

      Oliver Kratz
      Der Rezensent ist leitender Oberarzt in der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Erlangen

      Link zur Original-Quelle: wissenschaft-online.de/artikel/847653

      Persönliche Bemerkung: Wieder ein erfreuliches Mosaiksteinchen auf einem langen Weg...

      Abendliche Grüße

      Peter

      aka Pierrot le Fou(che)
      aka Pedro el Loco
      aka Peter the Maniac
      You'll never gonna change anything!

      (John Rambo in Rambo IV)

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